Verbraucher
Schutzstelle

Niedersachsen



Home
Nach oben





Überarbeitetes Design, „neue verbesserte Rezeptur“, altes Design bei weniger Füllmenge. Die Tricks der Industrie zur unauffälligen Preiserhöhung sind mannigfaltig.

Gerade bei Werbeaussagen wie „neue verbesserte Rezeptur“ sollten Sie hellhörig werden, und genau hinsehen, wenn ein Produkt plötzlich im „überarbeiteten“ Modus angeboten wird. Zum einen stellt sich ja die Frage, warum es überhaut einer „Verbesserung“ der Rezeptur bedurfte. Was war denn nicht richtig am alten Produkt, dass es nun verbessert werden musste?

Zum anderen stellt sich die Frage, was genau denn geändert wurde. Und dabei sollte nicht nur auf die Bereiche geachtet werden, die vollmundig angekündigt werden, wie „nun mit noch mehr natürlichen Zutaten“. Vielmehr sollte das Augenmerk darauf liegen, was sich an den Faktoren geändert hat, die eine „verbesserte Gewinnspanne“ bewirken. Also „weniger für mehr“. „Weniger“ kann dabei für Inhaltsstoffe stehen, denen prozentualer Anteil nebenbei erniedrigt wurde, „Mehr“ steht eigentlich immer für Geld.

So fällt z.B beim Produkt „San Pellegrino Naturali, Aranciata“ kaum auf, dass mit dem stark beworbenen „neuen Design“ auch der Fruchtanteil vom alten zum neuen Erscheinungsbild neu designt wurde. Wer genau hinsieht merkt den Unterschied: aus ehemals 20% Orange sind nun 16 % Orange Anteil geworden.

Aber es gibt auch versteckte Preiserhöhungen durch weniger Inhalt bei gleicher Verpackung. So etwa, wenn bei den Cornflakes statt „Mega“ = 660g plötzlich „Maxi“ = 620g Inhalt bei sonst gleicher Aufmachung und Verpackung enthalten sind. Natürlich zum gleichen Preis pro Packung. Diesen Trick der schleichenden versteckten Preiserhöhung merkt nur, wer genau hinschaut, und auch den jeweiligen Referenzwert des Kilopreises vergleicht.

Letztlich bleibt noch die vermeintlich offene Preiserhöhung „mit Hintertür“. Das geschieht, wenn ein Produkt bei gleicher Packungsaufmachung einen erhöhten Preis bekommt, sich aber dabei gleichzeitig unauffällig die Füllmenge verändert, natürlich zum Schlechteren hin. Also z.B. eine Preisänderung von 1,29 € auf 1,49 € würde ca. 15 % Preiserhöhung anzeigen, was auf den ersten Blick für die meisten durchaus akzeptabel ist. Reduziert sich dabei allerdings gleichzeitig die Füllmenge, z.B. von 200ml auf 184ml, so entsteht dadurch eine Preiserhöhung von ca. 25 %, die aber nur im Kleingedruckten zu finden ist.

Zur Veranschaulichung folgend ein paar Produkte, die besonders aufgefallen sind:

Sheba Filets Natürliches Huhn
Alte Füllmenge: 80 g = 0,75 €
Neue Füllmenge: 60 g = 0,95 €
(Produktersetzung, altes Produkt 45% Hähnchenbrust, neues 37 %)

Vionell Geruchs-Block Intim Deo
Alte Füllmenge: 150 ml = 2,95 €
Neue Füllmenge: 125 ml = 3,95 €

Milkana Sahne
Alte Füllmenge: 200 g = 1,99 €
Neue Füllmenge: 190 g = 2,29 €

Lughurt Heidelbeer-Cassis
Alte Füllmenge: 500 g = 1,99 €
Neue Füllmenge: 400 g = 1,99 €

Pringles Original
Alte Füllmenge: 200 g = 2,59 €
Neue Füllmenge: 185 g = 2,79 €

Finish Powerball classic
Alte Füllmenge: 82 Stück = 6,99 €
Neue Füllmenge: 77 Stück = 6,99 €

Somat classic
Alte Füllmenge: 82 Stück = 7,95 €
Neue Füllmenge: 77 Stück = 7,95 €

Grünländer Käse leicht
Alte Füllmenge: 150 g = 1,99 €
Neue Füllmenge: 140 g = 1,99 €

Homanns "Paprika Sauce"
Alte Füllmenge: 500 g = 0,99 €
Neue Füllmenge: 400 g = 1,49 €

Natürlich lässt sich sagen, dass in allen Fällen die Preiserhöhung ja sichtbar ist. Also es ja auf der Verpackung steht, dass da bei gleichem Preis 86 Stück drin sind (statt zuvor 88). Aber es bleibt die Tatsache, dass es doch nur eine minimale Veränderung, eine einzige Zahl, eine einzige Information von ansonsten duzenden Angaben auf den Produkt ist, die zudem meist in genau der gleichen Art daherkommt , wie bisher, frei nach dem Motto „bloß nicht auffallen“.

Unserer Ansicht nach ist eine Preiserhöhungspolitik nach dem Motto „bloß nicht auffallen“ durchaus an der Grenze zur absichtlichen Täuschung und damit auf dem Weg zur Rechtswidrigkeit. So kann z.B. eine Willenserklärung beim Kauf angefochten werden, wenn sie durch arglistige Täuschung bewirkt wurde, § 123 BGB.

Arglistige Täuschung ist als das „vorsätzliche Hervorrufen oder Aufrechterhalten eines Irrtums durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen“ gekennzeichnet. Die Täuschung entsteht dadurch, dass der Verkäufer dem Käufer Eigenschaften suggeriert oder vorenthält, die so nicht gegeben sind. Je nach Einzelfall wird sich eine versteckte Preiserhöhung – zumindest moralisch – an diesen Kriterien messen lassen müssen.