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Vorsicht bei alter Sonnencreme

Sonne, Sommer, Sonnencreme. Doch Vorsicht bei Produkten aus dem Vorjahr.

Wissenschaftler des französischen CNRS und Mikrobiologen der Sorbonne haben eine Auswahl an Sonnencremes untersucht. (CNRS steht für "Centre national de la recherche scientifique" = Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung und ist als nationale Forschungsorganisation dem französischen Forschungsministerium unterstellt).

Dabei wurden eine Auswahl von gut einem Dutzend in Frankreich beliebter Sonnencremes, darunter Produkte namhafter Firmen wie Garnier, Bioderma , Uriage, Cosmi, la Roche Posay oder L'Oréal, künstlich gealtert. Insgesamt neun Präparate aus der EU sowie acht aus den USA. Alle Produkte hatten denselben Lichtschutzfaktor (LSF 50) und wurden mehrmals geprüft, direkt nach dem Kauf und dann nach einem sechswöchigen Alterungsprozess.

Das Ergebnis der Tests: der Sonnenschutzfilter Octocrylen wandelt sich mit der Zeit in das Molekül Benzophenon, das in die Haut eindringen kann. Und, bei einigen Produkten wurde der Grenzwert von Benzophenon überschritten.

Von den 17 untersuchten Mitteln, enthielten 16 Sonnenschutzprodukte den chemischen UV-Filter Octocrylen, lediglich ein Mittel war frei davon. Interessant auch, dass alle 16 Octocrylen-haltigen Mittel bereits direkt nach dem Kauf durchschnittlich 39 mg/kg Benzophenon enthielten, das aus dem Herstellungsprozess des UV-Filters stammte. Nach ca. sechs Wochen wurde dann eine Konzentration von durchschnittlich 75 mg/kg gemessen. Lediglich Sonnenschutzprodukt ohne Octocrylen wies zu keinem Zeitpunkt Benzophenon auf.

Benzophenon steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Laut Didier Stien vom CNRS, einem Mitautor der Studie, kann Benzophenon bei Hautkontakt Ausschläge, Entzündungen oder Überempfindlichkeiten auslösen. Ebenso wurden in Tierversuchen auch Leberkrebs oder Lymphome beobachtet und das Molekül soll die Schilddrüse und die Fortpflanzungsorgane beeinträchtigt haben. Es besteht somit der Verdacht, dass der Stoff auch bei Menschen eine hormonelle und erbgutschädigende Wirkung zeigen könnte.

Ohnehin galt Chemischer Sonnenschutz in der Forschung schon länger als allergieauslösend und im Übrigen als giftig z.B. für Korallen. Durch konventionelle Sonnenschutzprodukte können Octocrylen und Oxybenzon beim Baden ins Wasser gelangen und so die sogenannte "Korallenbleiche" hervorrufen sowie das Absterben von Korallen. Auf Hawaii ist daher seit diesem Jahr der synthetische Sonnenschutz Oxybenzon verboten.

Wissenschaftler fordern daher vorsorglich ein Verbot von Octocrylen und Benzophenon, schon jetzt sollten Hersteller auf die Stoffe verzichten. Vor allem aber sollten Verbraucher beim Kauf auf die Inhaltsstoffe achten, und Octocrylen- und Benzophenonhaltige Produkte meiden.

Letztlich gilt aber sowieso zu alten Sonnencremes: Bei Überschreiten des Verfallsdatums, sollten sie schon deshalb nicht mehr verwendet werden, weil die Schutzwirkung nach einiger Zeit nachlässt. Und das unabhängig davon, welche UV-Filter verwendet werden.

Als Faustregel für den Verfall können 12 Monate nach dem Öffnen des Produktes, und maximal 24-30 Monate nach dem Herstellungsdatum angesehen werden. Voraussetzung ist aber stets die korrekte Lagerung, wobei ein kalter Keller, oder sogar der Kühlschrank empfohlen werden.